Januar 2016

Paul M. Zulehner

Gott ist größer als unser Herz
Eine Pastoral des Erbarmens

Schwabenverlag 
Jahr: 2006
Seiten: 204
Sprache: Deutsch
ISBN: 978-3-7966-1305-0  

Wenn man die aktuelle Diskussion um Flüchtlinge, Obergrenzen, Terror, Islam etc. nur ein bisschen verfolgt, dann fällt vor allem eines auf: Die Diskussionen werden erbarmungslos geführt, „Gegner" per Wort verletzt und möglichst vernichtet, Flüchtende diffamiert etc. - und auch erbarmungslose Taten geschehen in einem fort oder werden gefordert. Anschläge auf Flüchtlingsunterkünfte, Begrenzung von Familienzuzug, Kürzung der Sozialleistungen auf unter Hartz4-Niveau und und und …

Wir leben in erbarmungslosen Zeiten.

 

Zulehner, emeritierter kath. Professor für Pastoraltheologie an der Universität Wien, nimmt sich mit seinem Buch „Gott ist größer als unser Herz (1 Joh 3,20). Eine Pastoral des Erbarmens“ dieser Beobachtung an.

 

Er zeigt auf zu Beginn, inwiefern unsere Welt erbarmungslos ist und agiert. Dabei bleibt er nicht bei einzelnen Beispielen, wie zum Start dieser Rezension, stehen, sondern kennzeichnet die Kultur unserer westlichen Gesellschaft als ganzes als erbarmungslos in ihrer Anwendung von Freiheit, die zu Verlust von Selbstvertrauen, Handlungs- und Freiheitswillen führt, Manifestierung von Ungerechtigkeiten, die unserer Gesellschaft einen neodarwinistischen Zug verleiht und die Festlegung auf reine Diesseitigkeit, die ob der Überforderung alles Glück jetzt erleben zu müssen oft zu Sucht, psychosomatischen Krankheiten und sektoiden Sonderwelten führt. Zulehner schafft es, dies alles weder anklagend noch moralisierend darzustellen - im Gegenteil spürt man dem Text ab, wie sehr sein Autor unter dieser Erbarmungslosigkeit leidet.

 

Als Kontrast malt Zulehner Gott als den Erbarmungsvollem vor Augen und lässt dem Leser in einer meditativen Betrachtung des Gleichnisses vom Vater und den zwei Söhnen aus Lukas 15 diesen sich erbarmenden Gott hautnah kommen. Der Leser kann nachspüren, wie wohltuend Erbarmen ist, das Gerechtigkeit überbietet. Dabei entsteht der Wunsch danach, dass auch das eigene Lebender von diesem Erbarmen geprägt sein möge.

 

Aus der Erfahrung dieses Erbarmens Gottes heraus zeigt Zulehner in verschiedensten Beispielen einen spirituellen Weg des Erbarmens auf.

 

Er klassifiziert Erbarmen als Tugend, die es zu erlernen und einzuüben gilt - sowohl für den Einzelnen, als auch für die christliche Gemeinschaft. Dabei geht er von den „Werken der Barmherzigkeit“ aus, die die christliche Tradition aus Jes58,3-11 und Mt25,31-40 ableitet. Besonders katholischerseits spielen die Werke der Barmherzigkeit eine wichtige Rolle und sind wie folgt benannt: Leibliche Werke der Barmherzigkeit (Hungrige speisen, Durstige tränken, Nackte bekleiden, Fremde beherbergen, Kranke und Gefangene besuchen, Tote begraben) und Geistliche Werke der Barmherzigkeit (Unwissende belehren, Zweifelnden raten, Trauernde trösten, Sünder zurechtweisen, dem Beleidigen verzeihen, Unrecht ertragen und für die Lebenden und Toten beten. (Vgl. 73)

 

Damit wird schon seit jeher ein Weg aufgezeigt, wie sich eine Grundhaltung des Erbarmens praktisch ummünzen lässt.

 

Zulehner versucht im Folgenden „eine Art Update der Werke der Barmherzigkeit“ (76). Dabei versteht er es, einzelne Werke beispielhaft nicht nur konkret, sondern auch strukturell zu denken. So fragt er z.B. zu „Durstige tränken“, was das bedeuten kann angesichts des sich deutlich abzeichnenden Wassermangels auf der Erde.

 

Bei all dem ist das „Gott ist größer als unser Herz“ weder lang noch hochtrabend formuliert - es lässt sich wunderbar einfach lesen, spricht Kopf und Herz gleichermaßen an und bietet dem Leser an, ihn auf eine spirituelle Reise mitzunehmen, hin zu einer Pastoral des Erbarmens, einer Gemeindekultur, die von Erbarmen geprägt ist und Menschen befähigt einander gerecht zu werden.

 

Zulehners Wunsch und Hoffnung am Ende seines Buches drückt aus, was ich mir ebenfalls für unsere Welt - gerade in der aktuellen Situation - wünsche - und wozu das vorgestellte Buch einen kleinen Beitrag leisten möchte - und m.E. auch zu leisten vermag: „Wo Menschen von dieser Woge des aus dem Innersten Gottes und damit aus dem Innersten der Welt strömenden Erbarmens erfasst werden, bekommen sie ein neues Herz füreinander. Das läutet das Ende der herzlosen Welt ein. Sie verliert ihre wiedergöttlichen Züge: ihre Erbarmungslosigkeit.“ (197)

 

Heiko Metz

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