Dezember 2015

Rachel Joyce

Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry

Krueger Verlag 
Jahr: 2012
Seiten: 400
Sprache: Deutsch
ISBN: 978-3-596-19536-7  
9,99€ Taschenbuch

 

Das Geheimnis der Queenie Hennessy 
Der nie abgeschickte Liebesbrief an Harold Fry

Krueger Verlag
Jahr: 2014
Seiten: 400
Sprache: Deutsch
ISBN: 978-3-596-03069-9
9,99€ Taschenbuch 

 

Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry ist ein Roman über eine ganz andere, weltliche Pilgerfahrt. Harold Fry, Einwohner einer südenglischen Kleinstadt, erhält von seiner alten Arbeitskollegin Queenie einen kurzen Brief. Sie sei im Hospiz in Berwick-upon-Tweed, an der Küste Nordostenglands. Krebs, im letzten Stadium. Sie wolle sich einfach mal nach diesen vielen Jahren melden und sagen, wie sehr sie Harold geschätzt habe.

 

Harold versucht, eineAntwort zu schreiben. Stockend und kurz wird sie. Aber er weiß nicht, was er  sonst noch sagen soll. Auf dem Weg zum Briefkasten beginnt er, über die Beziehung, die Vergangenheit und sein eigenes Leben nachzudenken. Er läuft am Briefkasten vorbei, durch die Stadt, aus der Stadt heraus. Er beschließt zu Queenie zu laufen.

 

Auf seinem Weg begegnet Harold vielen Menschen, die ihm helfen, ihn beherbergen, ermutigen und auch überfordern. Er hat viel Zeit, über das Bruchstückhafte und Misslungene in seinem Leben nachzudenken. Über seine Ehe und seinen Sohn, mit dem er nie wirklich kommunizieren konnte.

 

Der nie abgeschickte Liebesbrief an Harold Fry ist ein zweiter Roman, der die Zeit der Pilgerfahrt aus der Perspektive von Queenie erzählt. Ihre Seite der Geschichte wirft ein ganz anderes Licht auf die Geschichte. Es wird deutlich, wie sehr die Beziehung von Harold und Queenie von Nichtkommunikation geprägt ist, von Zurückhaltung, von nicht sagen können, was man sagen will. Zugleich gibt es eine grosse gegenseitige Achtung. Dennoch bleibt der jeweils andere letztlich ein Geheimnis.

 

Autorin Rachel Joyce schreibt im Doppelwerk eine bewegende und spannende Erzählung dieser Reise durch England und das Warten im Hospiz. Dabei thematisiert sie die Themen Tod und Krankheit, Trauer und Reue, Liebe und Beziehungen auf eine gute und humorvolle Weise, die zum Staunen und Nachdenken führt. So schön und so traurig und so heilig ist jedes Menschenleben. Als Romane sind sie wärmstens zu empfehlen.

 

Nun geht es ja eigentlich gar nicht um Theologie in diesen Büchern und Religion spielt auch keine große Rolle. Doch viele Menschen, die von Harolds Reise zu Queenie hören, greifen auf eine religiöse Begriffswelt zurück, um das Phänomen zu beschreiben. Es sei eben eine Pilgerreise, sagen welche. Sie fragen, und Harold fragt sich:  Wird dieser Akt der Liebe Queenie heilen? Wird er sie retten? Glaubt er daran?

 

Vielleicht, sagen andere, will Harold durch seine Reise den Menschen etwas sagen oder ihnen einen neuen Weg zeigen. Menschen fangen an, mit Harold zu laufen, ihm nachzufolgen. Es wird von ihm in den Lokalnachrichten erzählt.

 

Die beiden Hauptfiguren der Geschichte, Harold und Queenie, lehnen die Kategorie des Religiösen ab. Sie seien nie wirklich religiös gewesen. Harold glaubt letzten Endes nicht, dass sein Laufen Queenie heilen wird. Queenie findet es jetzt nicht möglich oder naheliegend, plötzlich anzufangen an Gott zu glauben, nur weil sie krank ist. 

 

Glauben tun die anderen. Die Menschen, die Harold nachfolgen, für die sein Weg eine geistliche Erneuerung und Lebenswende ankündigt. Und die Schwestern im Hospiz, katholische Ordensfrauen. Sie beten und arbeiten, sind nicht gehetzt sondern hören zu.

 

Die Weihnachtsfeier – vorgelegt auf Mai damit eine Hospizbewohnerin es ein letztes Mal erleben kann, wird zum Moment von Trost und Gemeinschaft. In ihrer letzten Nacht hört man die Bewohnerin ein Lied vom Kind in der Krippe singen. So wird sie zum Nachahmer des Simeons (Lukas 2).

 

Gerade der zweite Roman hat mich in diesem Aspekt bewegt, denn die Schwestern sind für mich ein Sinnbild für die Gegenwart der christlichen Gemeinde in einer nachchristlichen Gesellschaft. Genährt und froh gemacht durch ihre geistliche Tradition, deuten sie die Welt und ihren Lauf anders als die Menschen, die aus verschiedensten Gründen dem Christentum eine Absage erteilt haben. Sie begleiten diese anders denkenden und empfindenden Menschen mit Humor und unaufdringlicher Liebe.

 

Rachel Joyces ganz gelungenes Doppelwerk über Harold und Queenie lässt uns fragen, was wir mit unserem Leben und unseren Beziehungen anstellen. Memento mori!

 

Sam Shearn 

Warum TABOR?

  • Ben Kohlstedt
    B.A. Ev. Theologie

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  • Steffen Malich
    B.A. Ev. Theologie

    "TABOR ist für mich ein Ort, an dem ich mich mit meinem Glauben und dem Glauben anderer intensiv auseinandersetzen darf und muss. Das, was TABOR ausmacht ist, dass ich damit nicht allein bin, sondern in der Gemeinschaft mit anderen Studierenden und in enger Begleitung durch einen Mentor. Der persönliche Kontakt zu Dozenten und Mitarbeitern ist mir ein großer Schatz."

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    M.A. Religion und Psychotherapie

    "Mich begeistert der Masterstudiengang in TABOR, weil er meine beiden Interessengebiete Theologie und Psychologie miteinander verbindet. Als Theologe lerne ich menschliches Verhalten und die menschliche Seite des Glaubens tiefer verstehen. Sehr bereichernd ist für mich, dass ich mich im Studiengang interdisziplinär mit Personen aus anderen Professionen anregend austauschen kann."

  • Stefan Hagner
    Soz.-Päd., Kinder-/ Jugendlichenpsychotherapeut
    M.A. Religion und Psychotherapie

    "Der Masterstudiengang hilft mir, Überschneidungen von und Grenzen zwischen Religion und Psychotherapie zu entdecken. Ich finde es gut, dass neben der Vermittlung von Grundlagen, Forschungsergebnissen und Anwendungsmöglichkeiten der Diskurs mit den Lehrenden und Mitstudierenden möglich ist. Die positive Lernathmosphäre und die schöne Marburger Altstadt tragen dazu bei, gerne in TABOR zu studieren."


  • Philip Geppert
    B.A. Ev. Theologie

    "Das hohe Arbeitspensum ist zwar hart, aber das Studieren in einer intensiven Gemeinschaft kitzelt so manches Potential aus mir heraus, das ich nicht kannte.
    Die Gemeinschaft unter den Studierenden ist sowieso der Bestandteil in TABOR, durch den Gott mich immer wieder inspiriert, animiert und aufweckt. Es ist echt interessant, was für Menschen man hier intensiv kennenlernt und wie man neu lernt sein Leben zu gestalten."